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Was passiert, wenn man sechsundzwanzig Studenten einlädt drei Tage lang in einem Raum mit Kondomen, Diaphragmen und Vorträgen über Sexpraktiken eingesperrt zu werden? Ganz genau – ein Workshop von „Mit Sicherheit verliebt“. Für alle die es nicht kennen, MSV ist ein Projekt der Arbeitsgruppe für Prävention und Sexualaufklärung (SCORA) der bvmd. In nun dreißig Städten in ganz Deutschland gibt es MSV-Gruppen, die teilweise unabhängig von Fachschaften oder sogar von einer Universität an Schulen gehen, um Mittelstüfler über sexuell übertragbare Krankheiten und Verhütung aufzuklären. Was vom 24. bis zum 26. April in Heidelberg stattfand, war ein Basisworkshop, auf dem pädagogische Methoden und die medizinischen Grundlagen der Arbeit erlernt werden. Die Teilnehmer aus sieben Städten trafen sich am Freitag, um erst einmal Allgemeines über das Projekt zu erfahren und nach einem Vortrag über Sexualität im Wandel der Zeit und in der Religion die ersten Methoden durchzuspielen, um sich kennen zu lernen.
Und schwupps, schon war der erste Workshoptag vorbei – nach einem Abstecher in die Jugendherberge, wo die fünfzehn Teilnehmer aus anderen Städten als Heidelberg übernachteten, ging es in die Heidelberger Altstadt zum Abendessen. Bis heute konnten wir das Rätsel nicht lösen, ob es ein typisch heidelbergisches Essen gibt. Das, was dem am nächsten kam, war der Flammkuchen, den viele an diesem Abend genossen. Nach dem Essen ging es die 1,8 Kilometer Hauptstraße hinab – die größte Einkaufsmeile von ganz Europa. Von dort aus hoch zum Schloss und bis Mitternacht durch den Schlossgarten, von dem aus man einen grandiosen Blick auf Heidelberg hat. Die Nacht war jung, der Morgen süß, nur die Teilnehmer müde – gegen ein Uhr ging es ins Bett. Und wie von Workshops und MVs allgemein bekannt, ist das Aufstehen immer das Schlimmste. So auch an diesem Morgen, denn um neun Uhr ging es an den ersten Vortrag des Tages. Eine Stunde sexuell übertragbare Krankheiten, danach eine halbe Stunde speziell über HIV und AIDS. Dr. Engeser schloss sich dem mit einem Vortrag über HPV und Impfung an, der mehr als informativ war. Nach Plan hätte es danach Mittagessen geben sollen – nur kamen die Pizzen eine Stunde zu spät. Die nächste Referentin Frau Emter von Frauennotruf Heidelberg erreichte uns somit zum selben Zeitpunkt wie unser Essen. Freundlicherweise erklärte sie sich bereit einige Minuten zu warten, sodass wir noch ein schnelles Mahl zu uns nehmen konnten. Ihr Vortrag handelte vom neuen Projekt grenz-wert-ich des Frauennotrufes, bei dem Schülern von professionellen Schauspieler Szenen vorgespielt werden, die aus dem Alltag gegriffen sind: wie man sich plötzlich verändert, wenn die Clique dazukommt, Grenzüberschreitungen durch Eindringen von Älteren in die Privatsphäre, ein Abend in der Disko mit K.O.-Tropfen, Risiken beim Chatten, Exfreunde und Freundinnen, die einen belästigen und das berühmt-berüchtigte erste Mal. Diese Szenen werden mit den Schülern nachbearbeitet. Bisher hat sich das Projekt als voller Erfolg erwiesen das Selbstbewusstsein von Jugendlichen zu stärken (und Fälle von Missbrauch aufzudecken). Frau Emter benötigte leider das doppelte der angekündigten Zeit, was den Terminplan noch weiter aus dem Ruder laufen ließ. Damit musste das Durchspielen der Methoden gekürzt werden, was von allen Teilnehmern als schade empfunden wurde. Dem dennoch grandiosen Vortrag von Frau Emter folgte ein kleinerer Vortrag namens „Zehn Gebote pädagogischer Arbeit“, bevor der Arbeitsteil für beendet erklärt wurde. Um ein wenig Bewegung in den Tag zu bringen, ging es auf einen Spaziergang über den Philosophenweg, bevor sich die komplette Gruppe zum Abendessen und Bowlen im Heidelberger Firebowl wiedertraf. Die Nachschwärmer verschlug es nach anderthalb Stunden auf der Bahn noch in die Diskothek – ob sie überhaupt schliefen, ist mir persönlich ein Rätsel. Sonntag hieß es dann Auschecken, bevor es um neun Uhr mit dem Workshop weitergehen sollte. Wie nicht anders zu erwarten, schlich sich hier eine leichte Verzögerung ein – obwohl diese mit einer halben Stunden wirklich leicht war. Nach dem Rest des Vortrages über sexuell übertragbare Krankheiten ging es an die Methodik, die eigentlich am Samstag drei Stunden hätte einnehmen sollen. Ohne Durchspielen wurden wir allerdings zeitlich fertig für unsere nächsten Referenten – die Mannheimer MSV. Bewaffnet mit ihrem Koffer und ihren Unterlagen (Briefe, Fragebögen, Elterneinwilligung, Schulpläne...) erzählten sie von ihrer Arbeit, was sie so erlebt hatten und spielten einige Methoden mit uns durch, die wir ein paar Minuten vorher theoretisch erarbeitet hatten. Nach einer Mittagspause mit vegetarischen Nudeln vom Chinesen und Kroepok ging es an das praktische Durchspielen der Methoden, die wir noch nicht erarbeitet hatten – die, bei denen Mädchen und Jungen getrennt werden. Was denkt das andere Geschlecht von Sex? Was sind die Vorteile des eigenen Geschlechts? Und natürlich der berühmte Fragenkatalog an die andere Gruppe. Diskussionen über eine angenehme Penislänge und –breite auf der einen Seite und Cellulite und Analverkehr auf der anderen – zumindest verbal wurden alle Hemmungen fallen gelassen. Nach abschließender Evaluation wurde der Workshop für alle Nicht-Heidelberger als beendet erklärt und nach Austausch von E-Mail-Adressen, studivz-Namen und Handynummern teilte sich die Gruppe. Eine Delegation von Heidelbergern blieb zurück und vollendete den Workshop mit Vorträgen über Menstruation, Schwangerschaft, Sterilisierung, die Pille und Abtreibung. Insgesamt ein voller Erfolg, wenn man der Evaluation Glauben schenken darf. Zwar wurden einige Fachkräfte vermisst (die Sexualpädagogen sagten zwei Wochen vor dem Workshop ab, die Ärztinnen von der Gynäkologie vier Tage, die Pädagogin von der Aids-Hilfe zwei Tage), was mich als Organisatorin meinen Kopf gegen jede freie Fläche auf meiner Wand schlagen ließ, doch insgesamt bin auch ich sehr zufrieden. Durch die in der Woche vor dem Workshop entstandenen Kooperationen zur Aids-Hilfe Heidelberg (die mit zwei Teilnehmern vertreten war) und dem Gesundheitsamt Heidelberg wird der nächste Workshop hoffentlich noch besser. Bis dahin – denkt an die Verhütung! Ansonsten dürft ihr euch nächstes Mal zu uns sperren lassen ^.-
Joka Reichel, MSV Heidelberg
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